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.Einige Fälle erforderten weitere Untersuchungen, bevor sie abgeschlossen werden konnten, und sie stellte in Gedanken eine Liste zusammen, was im einzelnen zu tun war.Laurie trat aus der Dusche und trocknete sich kräftig ab.Über eins war sie froh: daß sie heute einen "Papiertag" hatte, also keine neuen Autopsien zugewiesen bekam.Sie würde Zeit haben, die notwendigen Berichte zu den Autopsien zu schreiben, die sie bereits vorgenommen hatte.Gegenwärtig wartete sie auf das Material zu etwa zwanzig Fällen entweder aus dem Labor, von Ermittlern des Instituts, örtlichen Krankenhäusern, Ärzten oder der Polizei.Diese Papierlawine drohte sie ständig zu erdrücken.In der Küche goß sie sich den Kaffee ein.Die Tasse in der Hand, ging sie wieder ins Bad, um Make-up aufzulegen und die Haare zu fönen.Die Haare brauchten immer die meiste Zeit.Sie waren dick und lang und von einem Kastanienbraun mit rötlichem Schimmer, das sie einmal im Monat mit Henna auffrischte.Laurie war stolz auf ihr Haar.Nach ihrer Überzeugung war es das Attraktivste an ihr.Ihre Mutter redete ihr immer zu, es abzuschneiden, doch Laurie liebte es lang bis über die Schultern; sie trug es geflochten oder zu einem Dutt hochgesteckt.Was das Make-up betraf, verfocht sie die Theorie, daß "weniger mehr ist".Ein wenig Eyeliner für den Lidstrich ihrer blaugrünen Augen, ein paar Striche mit dem Augenbrauenstift zur Markierung der rötlichblonden Brauen, zart aufgetragene Wimperntusche, und sie war fast fertig.Ein Hauch Korallenrot auf die Wangen und Lippenstift rundeten die Prozedur ab.Zufrieden nahm sie ihre Tasse und ging zurück ins Schlafzimmer.Inzwischen lief Guten Morgen, Amerika.Sie hörte mit halbem Ohr zu, während sie die Sachen anzog, die sie am Abend zuvor bereitgelegt hatte.Die forensische Pathologie war noch immer weitgehend eine Männerwelt, doch das bestärkte Laurie nur in dem Wunsch, ihre Weiblichkeit durch die Kleidung zu unterstreichen.Sie schlüpfte in einen grünen Rock und einen dazu passenden Rollkragenpullover, betrachtete sich im Spiegel und war zufrieden.Die Kombination ließ sie irgendwie größer erscheinen als ihre einsfünfundsechzig und noch schlanker, als sie ohnehin mit hundertvier Pfund war.Als sie den Kaffee getrunken hatte, einen Joghurt gegessen und getrocknetes Katzenfutter in Toms Schüssel geschüttet hatte, zog sie ihren Trenchcoat an.Dann verstaute sie ihre Handtasche und die Lunchbrote, die sie ebenfalls schon am Abend zuvor vorbereitet hatte, in ihrer Aktentasche und verließ die Wohnung.Sie brauchte einen Augenblick, um die verschiedenen Schlösser an ihrer Tür zu sichern, eine Hinterlassenschaft des Vormieters.Sie wandte sich zum Aufzug und drückte den Knopf "Ab".Wie auf ein Stichwort hörte sie in dem Moment, als sich der altersschwache Aufzug quietschend nach oben bewegte, das Klicken der Schlösser von Debra Englers Tür.Laurie drehte den Kopf und sah, wie die Tür der vorderen Wohnung sich einen Spalt öffnete und die Sicherheitskette spannte.Debras blutunterlaufenes Auge spähte hinaus.Über dem Auge war ein Gewirr von grauem Kraushaar.Laurie erwiderte angriffslustig den Blick des aufdringlichen Auges.Es war, als stünde Debra bei jedem Laut im Gang hinter der Tür.Die ständige Aufdringlichkeit ging Laurie auf die Nerven.Es erschien ihr wie eine Verletzung ihrer Privatsphäre, wenn der Gang auch Gemeineigentum war."Sie nehmen besser einen Schirm mit", rief Debra mit ihrer kehligen Raucherstimme.Die Tatsache, daß Debra recht hatte, steigerte Lauries Gereiztheit noch.Sie hatte tatsächlich ihren Schirm vergessen.Ohne ein Zeichen der Anerkennung, um Debras aufreizende Wachsamkeit nicht etwa noch zu fördern, ging Laurie zur Wohnungstür zurück und widmete sich dem komplizierten Vorgang, ein Schloß nach dem andern aufzuschließen.Als sie fünf Minuten später den Aufzug betrat, sah sie, daß Debra immer noch aufmerksam Ausschau hielt.Während der Aufzug langsam abwärts fuhr, schwand Lauries Gereiztheit.Ihre Gedanken wanderten zu dem Fall, der sie über das Wochenende am meisten beschäftigt hatte: dem zwölfjährigen Jungen, der von einem Softball auf die Brust getroffen worden war."Das Leben ist ungerecht", murmelte Laurie vor sich hin, als sie an den vorzeitigen Tod des Jungen dachte.Der Tod eines Kindes war so schwer zu begreifen.Sie hatte gedacht, das Medizinstudium würde sie irgendwie gegen solche Sinnlosigkeiten abhärten, aber dem war nicht so.Auch ihre Assistenzzeit in der Pathologie hatte das nicht vermocht.Und jetzt, wo sie in der Gerichtsmedizin arbeitete, waren diese Tode noch schwerer zu ertragen.Und es waren so viele! Bis zu dem Unfall war das Softballopfer ein kräftiger Junge gewesen, strotzend vor Gesundheit und Energie.Sie sah den kleinen Körper noch vor sich auf dem Seziertisch; ein Bild der Gesundheit, scheinbar schlafend.Aber sie hatte zum Skalpell greifen und ihn wie einen Fisch ausnehmen müssen.Laurie schluckte hart, als der Aufzug mit einem Ruck zum Stehen kam.Fälle wie der des kleinen Jungen ließen sie an der Richtigkeit ihrer Berufswahl zweifeln.Sie fragte sich, ob sie nicht besser in die Pädiatrie gegangen wäre, wo sie mit lebenden Kindern zu tun gehabt hätte.Im Grunde war Laurie für Debras Rat dankbar, als sie sah, was für ein Tag es war.Der Wind blies kräftige Böen, und der angekündigte Regen hatte bereits eingesetzt.Der Anblick ihrer Straße gerade an diesem Tag ließ sie auch an einer guten Wahl ihres Wohnorts zweifeln.Die mit Abfällen übersäte Straße bot kein schönes Bild.Vielleicht hätte sie in eine jüngere, sauberere Stadt wie Atlanta gehen sollen oder in eine Stadt mit ewigem Sommer wie Miami.Laurie spannte den Schirm auf und stapfte, sich gegen den Wind stemmend, in Richtung First Avenue.Sie dachte an eine der ironischen Seiten ihrer Berufswahl.Sie hatte sich aus mehreren Gründen für die Pathologie entschieden.Zum einen hatte sie gedacht, daß geregelte Arbeitszeiten es ihr erleichtern würden, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.Aber das Problem war, daß sie gar keine Familie hatte, wenn sie von ihren Eltern absah, die ja nicht wirklich zählten.Sie hatte nicht einmal eine feste Beziehung.Laurie hatte nie gedacht, daß sie mit zweiunddreißig noch keine eigenen Kinder haben, geschweige denn, daß sie noch unverheiratet sein würde.Eine kurze Taxifahrt mit einem Fahrer, dessen Nationalität sie nicht einmal erahnen konnte, brachte sie zur Ecke First Avenue und 30th Street.Sie war erstaunt, daß sie ein Taxi bekam.Im allgemeinen bedeutete die Kombination Regen und Stoßzeit: keine Taxis.An diesem Morgen war jedoch gerade eins frei geworden, als sie zur First Avenue kam.Aber auch wenn sie keins bekommen hätte, wäre das kein Unglück gewesen.Es war einer der Vorteile, nur elf Häuserblocks vom Arbeitsplatz entfernt zu wohnen.An vielen Tagen ging sie hin und zurück zu Fuß.Nachdem Laurie den Fahrpreis gezahlt hatte, lief sie die Treppe zum Gerichtsmedizinischen Institut hinauf.Das sechsstöckige Gebäude wurde von den übrigen Gebäuden des Medical Center der New York University und dem Komplex des Bellevue Hospital überragt.Die Fassade bestand aus blauglasierten Ziegelsteinen, hatte Aluminiumfenster und unschöne moderne Türeinfassungen.Normalerweise beachtete Laurie das Gebäude nicht, aber an diesem regnerischen Novembermontag entging es ihrer Kritik ebensowenig wie ihr Beruf und ihre Straße.Es war ein deprimierendes Bauwerk.Das mußte sie zugeben [ Pobierz całość w formacie PDF ]

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